Titelbild der Folge über neun geprüfte DDR-Marken mit der gelben Leiste zur Frage, wem sie heute gehören

Markenregister: Wem gehören die DDR-Marken heute?

Viele DDR-Marken stehen noch im Regal. Die Frage ist nur, wem sie inzwischen gehören – und ob dort noch produziert wird, wo sie herkommen. Dieses Register beantwortet beides getrennt, weil es zwei verschiedene Antworten sind.

Stand: 13. August 2026 · 19 Marken erfasst. Grundlage sind Firmenangaben, Handelsregister und Presseberichte. Das Register wächst mit euren Hinweisen – siehe Mitmachen.

Von euch ergänzt 2 Hinweise

  • Neun Marken auf Zuschauerwunsch geprüftZetti, Wikana, Filinchen, RotStern, Spreewaldhof, Halloren, Bautzner, Rügen Fisch und Spee standen in euren Kommentaren. Alle neun wurden nachgeprüft und stehen im Register.Hinweis von einem Zuschauer · geprüft · eingetragen am 11. August 2026
  • Esina – noch ungeklärtNach dieser Marke wurde mehrfach gefragt. Hersteller, Handelsregister und Presse haben wir durchsucht, ohne belastbares Ergebnis. Wer mehr weiß, melde sich.Hinweis von einem Zuschauer · offene Frage · eingetragen am 11. August 2026

Ihr habt etwas beizutragen? Schreibt an info@derausverkauf.de oder in die Kommentare. Wir prüfen jeden Hinweis nach und tragen ihn hier mit eurem Namen ein – auf Wunsch auch anonym.

Wie wir „gehört“ hier meinen

Eine Marke kann verkauft sein und trotzdem am alten Standort produziert werden. Sie kann in ostdeutscher Hand sein und trotzdem woanders hergestellt werden. Deshalb trennen wir zwei Spalten: Wem die Marke gehört und wo produziert wird. Erst beides zusammen ergibt ein ehrliches Bild.

Ein Gedankenstrich bedeutet: nicht belegt. Wir tragen dort nichts ein, was wir nicht mit Firmenangabe, Register oder Presse stützen können. Wer eine dieser Lücken schließen kann, schreibe uns – mit Quelle, wenn möglich.

Das Register

Neu in der Tabelle: die Spalte Kontinuität. Sie unterscheidet drei Stufen – „Rezept überlebt“ heißt: Das Produkt wird nach dokumentiert fortgeführter Rezeptur hergestellt (meist Herstellerangabe). „Ort überlebt“ heißt: Die Produktion läuft am Herkunftsort oder in derselben Stadt. „nur Name überlebt“ heißt: Die Marke existiert, aber die Produktion am Herkunftsort ist beendet. Wo unsere Belege für keine der drei Stufen reichen, steht ein Gedankenstrich – auch wenn die Antwort naheliegen mag.

MarkeGehört heuteSeitWird produziert inKontinuität
Rotkäppchenostdeutsche Käufer von 1993 – kaufte später Mumm und Geldermann1993
NudossiFamilie Hartmann, Radebeul – nie verkauftRadebeulOrt überlebt
ZettiGoldeck, Leipzig1992 (Markenrechte)ZeitzOrt überlebt
WikanaLutherstadt WittenbergOrt überlebt
FilinchenGutena, ApoldaApoldaRezept überlebt
SpreewaldhofGolßen im SpreewaldOrt überlebt
RotSternSchokoladengruppe mit Sitz in WeißenfelsMitteldeutschland
Hallorenmehrheitlich westfälische UnternehmerfamilienHalle an der SaaleOrt überlebt
Bautzner SenfDeveley, Unterhaching (Bayern)1992Bautzen – rund 10 Mio. Euro in neue FabrikOrt überlebt
Rügen FischThai Union, Bangkok2016 Mehrheit, 2021 vollständigSassnitzOrt überlebt
Riesa-NudelnBiavest, Irland (80 %)2022RiesaOrt überlebt
Diamant FahrräderTrek Bicycle, USA2003Sachsen – rund 400 ArbeitsplätzeOrt überlebt
Kathi (Halle, 1951)Dr. Oetker, Bielefeld2025
SternburgDr.-Oetker-Gruppe, Bielefeld (Radeberger Gruppe)1. Januar 2006Leipzig-ReudnitzOrt überlebt
Vita ColaHassia-Gruppe, Hessen2005Schmalkalden, ThüringenRezept überlebt
Fit (Spülmittel)BlueSun Group, Spanien
Krügerol (Leipzig, 1866)Dr. C. Soldan, Bayern2022nach Bayern verlagertnur Name überlebt
FlorenaBeiersdorf, Hamburg2002Werk Waldheim geschlossennur Name überlebt
SpeeHenkel, Düsseldorf1991Düsseldorf – Werk Genthin 2009 geschlossennur Name überlebt
19 Marken aus den Folgen über DDR-Marken. Gedankenstrich bedeutet: nicht belegt. Stand: 10. August 2026.

Die Marken im Einzelnen

Zetti – das Knacken kommt noch immer aus Zeitz

Schokolade auf Knäckebrot, das Knacken der Knusperflocken. Die Marke kommt aus Zeitz in Sachsen-Anhalt, und genau dort wird sie bis heute gemacht: Seit Mitte der neunziger Jahre laufen die Knusperflocken wieder in Zeitz vom Band, seit 1999 in einem eigens gebauten neuen Werk. Auch die Bambina-Schokolade gibt es wieder. Der Eigentümer heißt Goldeck, sitzt in Leipzig und hat sich die Markenrechte schon 1992 gesichert – als andere nur abwickelten.

Wikana – zurückgeholt, was verschwunden war

Die Kekse aus der Lutherstadt Wittenberg werden dort bis heute gebacken. Bemerkenswert ist der zweite Teil: Wikana hat Gebäck zurückgeholt, das nach der Wende zehn Jahre lang verschwunden war – seit 2004 steht es wieder im Regal. Eine Ostmarke, die nicht nur überlebt hat, sondern rückwärts repariert, was der Bruch von 1990 zerrissen hat.

Filinchen und Spreewaldhof – die stillen Fälle

Filinchen wurde beim VEB Gutena in Apolda gebacken und wird bis heute in Apolda bei Gutena gebacken: gleiches Produkt, gleicher Ort, gleicher Name. Die Spreewaldhof-Gurken kommen aus Golßen im Spreewald, wo seit über siebzig Jahren eingelegt wird – vor der Wende, durch die Wende, bis heute. Manchmal ist die beste Nachricht die, dass es keine Geschichte gibt.

Halloren – die Kugeln rollen in Halle, die Rendite nach Westfalen

Die Kugeln aus Halle, benannt nach den Salzwirkern der Stadt, deren Trachtenknöpfe sie nachformen. Halloren ist die älteste noch produzierende Schokoladenfabrik Deutschlands, produziert wird in Halle. Und die zweite Hälfte der Wahrheit: Die Mehrheit am Unternehmen liegt inzwischen bei westfälischen Unternehmerfamilien. Beides stimmt gleichzeitig – und genau dieses Muster wiederholt sich auf dieser Liste mehrfach.

Bautzner Senf – verkauft heißt nicht zerstört

Der Eigentümer sitzt seit 1992 in Bayern: Develey aus Unterhaching kaufte das Werk von der Treuhand – und investierte anschließend rund zehn Millionen Euro in eine neue Fabrik. In Bautzen. Produziert wird bis heute dort. Es kommt also nicht darauf an, wo der Eigentümer sitzt, sondern ob jemand am Standort investiert. In Bautzen hat jemand.

Rügen Fisch – die Dose von der Ostsee, die Dividende nach Bangkok

Rügen Fisch aus Sassnitz ist Deutschlands größter Hersteller von Fischkonserven; dazu gehören auch Hawesta und Ostsee Fisch. Die Dosen kommen bis heute von der Ostsee. Der Eigentümer nicht mehr: 2016 übernahm Thai Union die Mehrheit, der größte Thunfischkonzern der Welt mit Sitz in Bangkok; 2021 kauften sie den Rest. Zusammen gut 42 Millionen Euro.

Spee – der Kreis, der sich schließt

Die einzige Marke dieser Liste, die wirklich gegangen ist. Erfunden 1968, ein Jahr später im Waschmittelwerk Genthin produziert; der Name stand schlicht für Spezialentwicklung. Binnen weniger Jahre wusch damit fast der ganze Osten, an die achtzig Prozent Marktanteil. Und jetzt die Schleife: Das Werk in Genthin wurde 1921 von Fritz Henkel gebaut, dem Persil-Konzern aus Düsseldorf. Nach dem Krieg wurde es enteignet, wurde Volkseigentum – und dieses volkseigene Werk erfand Spee. 1991 kaufte Henkel sein eigenes altes Werk zurück. Achtzehn Jahre später, 2009, machte Henkel Genthin zu und holte die Produktion nach Düsseldorf. Die Stadt hat das Werk gebaut bekommen, verloren, zurückbekommen – und am Ende beides verloren: das Werk und die Marke.

Rotkäppchen und Nudossi – die zwei Ausnahmen

Rotkäppchen ging 1993 an ostdeutsche Käufer und drehte die Richtung später um: Die Sektkellerei kaufte die Westmarken Mumm und Geldermann. Nudossi aus Radebeul wurde nie verkauft und ist bis heute Familienbesitz. Zwei von zehn – das ist die ehrliche Quote.

Esina – die Lücke, die wir offenlassen

Eine Marke aus den Zuschauerkommentaren fehlt bewusst: Esina. Wir haben Hersteller, Handelsregister und Presse durchsucht und nichts gefunden, was wir guten Gewissens eintragen könnten. Bevor wir etwas Halbes behaupten, fragen wir zurück. Wer mehr weiß, melde sich.

Drei Muster, die das Register zeigt

Gemacht im Osten, verdient woanders

Der häufigste Fall. Halloren-Kugeln werden in Halle produziert, die Mehrheit am Unternehmen liegt bei westfälischen Unternehmerfamilien. Rügen Fisch füllt in Sassnitz ab, der Eigentümer sitzt in Bangkok. Beides stimmt gleichzeitig – und deshalb reicht die Frage „Ost oder West“ allein nicht aus.

Verkauft heißt nicht zerstört

Bautzner Senf gehört seit 1992 einem bayerischen Unternehmen – das anschließend rund zehn Millionen Euro in eine neue Fabrik in Bautzen steckte. Diamant Fahrräder gehört einem US-Konzern und hält rund 400 Arbeitsplätze in Sachsen. Entscheidend ist nicht der Sitz des Eigentümers, sondern ob am Standort investiert wird.

Und die, die wirklich gingen

Spee ist der härteste Fall im Register, weil sich der Kreis schließt: Das Werk in Genthin wurde 1921 von Henkel gebaut, nach dem Krieg enteignet, und dieses volkseigene Werk erfand Spee. 1991 kaufte Henkel das eigene alte Werk zurück und schloss es 2009. Die Marke lebt bis heute – nur eben nicht mehr in Genthin. Bei Krügerol wurde die Produktion nach Bayern verlagert, bei Florena das Werk Waldheim geschlossen.

Die Folge zum Register

Erst mit dem Klick wird das Video von YouTube geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Quellen und Methode

Grundlage sind Firmenangaben der heutigen Eigentümer, Einträge im Handelsregister und Presseberichte zu den jeweiligen Übernahmen. Die Einzelbelege stehen in den Beschreibungen der zugehörigen Folgen und im Artikel zu den zehn DDR-Marken. Wo sich ein Eigentümer oder ein Produktionsstandort nicht belegen ließ, steht ein Gedankenstrich statt einer Vermutung.

Eine Marke fehlt bewusst: Esina. Wir haben Hersteller, Register und Presse durchsucht und nichts gefunden, was wir guten Gewissens eintragen könnten. Wer mehr weiß, melde sich.

Zum Weiterlesen

Werbung. Die folgenden Links führen zu Amazon. Wenn ihr dort etwas kauft, erhalten wir eine kleine Provision – für euch ändert sich am Preis nichts. Wichtig: Das sind Lesetipps zum Thema, keine Quellen dieses Registers. Woher unsere Angaben stammen, steht oben unter „Quellen“.

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Mitmachen

Welche Marke sollen wir als Nächstes nachprüfen? Und wer in einem dieser Werke gearbeitet hat – in Zeitz, in Genthin, in Sassnitz –, kann uns erzählen, wie es dort wirklich lief. Schreibt an info@derausverkauf.de oder in die Kommentare unter den Artikeln. Wir prüfen nach und tragen es mit Datum ein.

Euren Hinweis eintragen

Wir prüfen jeden Hinweis, bevor er erscheint. Angaben, die wir nicht belegen können, kennzeichnen wir als Zuschauerangabe. Was ihr uns schickt, verwenden wir nur für das Register; Einzelheiten in der Datenschutzerklärung.

Änderungsprotokoll

  • 10. August 2026 – Register angelegt mit 19 Marken aus den beiden Marken-Folgen.
  • 13. August 2026 – Spalte „Kontinuität“ ergänzt (Rezept / Ort / nur Name); vergeben nur, wo die Belege reichen – vier Marken tragen einen Strich.
  • 13. August 2026 – Korrektur: Sternburg-Verkauf an die Radeberger Gruppe von 2025 auf den 1. Januar 2006 berichtigt und den Braustandort Leipzig-Reudnitz nachgetragen – wie bereits im Getränke-Register dokumentiert. Bei Vita Cola den belegten Produktionsort Schmalkalden ergänzt.
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