Titelbild der Folge über 14 FDGB-Ferienheime: Ferienscheck und Ferienheim-Motiv unter der gelben Leiste zur Frage, was heute in den Häusern ist

FDGB-Ferienheime: Was ist heute darin?

Über eine Million Menschen fuhren jedes Jahr mit dem Ferienscheck in den Urlaub. Die Häuser, in denen sie schliefen, stehen zum Teil noch – als Hotel, als Ruine, oder gar nicht mehr. Dieses Register verfolgt Haus für Haus, was daraus geworden ist: mit Größe, Eigentümerwechsel und Quelle.

Stand: 10. August 2026 · 14 Häuser an 7 Orten erfasst. Das Register wächst mit euren Hinweisen – siehe Mitmachen.

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  • Dieses Register geht auf eine Zuschauerfrage zurückDie Frage nach dem Verbleib des FDGB-Vermögens kam aus den Kommentaren und wurde zur Grundlage der Folge und dieses Registers.Hinweis von einem Zuschauer · geprüft · eingetragen am 11. August 2026

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Was der FDGB-Feriendienst war

Der Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde am 19. März 1947 gegründet und vermittelte subventionierten Urlaub im Inland. Er begann im ersten Jahr mit rund 17.500 Urlaubern. In den sechziger Jahren verfügte er über etwa 90.000 Betten und zählte über eine Million Urlauber pro Jahr.

Bezahlt wurde nach Einkommen. Der Ferienscheck kostete je nach Verdienst zwischen 50 und 310 Mark – für dreizehn Tage mit Vollpension. Die Urlauber trugen damit oft weniger als ein Drittel der tatsächlichen Kosten. Allein im Jahr 1989 schoss das System rund 550 Millionen Mark zu.

Den Scheck bekam man nicht im Reisebüro, sondern über die Gewerkschaftsleitung im eigenen Betrieb. Weil vor allem die Ostsee-Plätze knapp waren, entschied dort in der Praxis mehr als nur die Warteliste. Und selbst mit Scheck kannte man nur den Urlaubsort: In welchem Haus man schlafen würde, erfuhr man erst bei der zentralen Anmeldestelle vor Ort.

Woher die Häuser kamen: Aktion Rose, 1953

Ein Teil der Ferienheime war gebaut. Ein großer Teil war genommen. Zwischen dem 10. Februar und dem 10. März 1953 lief an der Ostseeküste die „Aktion Rose“, Schwerpunkt Rügen und Usedom: Volkspolizisten durchsuchten Hotels und Pensionen. Konfisziert wurden 440 Hotels und Pensionen sowie 181 Gaststätten, Wohnungen und Betriebe. Die Eigentümer wurden als Wirtschaftsverbrecher angeklagt, verhaftet – oder sie flohen in den Westen.

Der bittere Teil daran: Zuvor lagen rund 80 Prozent der FDGB-Urlaubsplätze in genau diesen privaten Häusern, unter Vertrag. Der Staat enteignete also seine eigenen Vertragspartner. Die meisten beschlagnahmten Häuser wurden anschließend Ferienheime. Die Rechnung kam sofort: Auf Rügen brach der Fremdenverkehr noch im selben Jahr fast vollständig zusammen.

Nach 1990 folgte für manche dieser Häuser ein zweiter Besitzwechsel. Alteigentümer und ihre Erben forderten zurück, was 1953 genommen worden war – in jahrelangen Verfahren, Haus für Haus. Wer das Register liest, sollte das mitdenken: Viele dieser Gebäude haben den Eigentümer zweimal gewechselt, ohne dass je jemand gekauft hätte, der darin wohnte.

Das Register

HausOrtGröße / BauHeuteStatus
„Herbert Warnke“Klink an der MüritzNeubau 1974, über 2.000 BettenMüritz-Hotel, in BetriebHotel
Binz-Komplex (7 Häuser, darunter „Arkona“, „Rugard“, „Stubbenkammer“)Binz auf Rügen1983 fertig, 4.607 BettenIFA-Ferienpark, HotelbetriebHotel
„August Bebel“Friedrichroda1980, 1.500 BettenAhorn Berghotel FriedrichrodaHotel
„Rennsteig“Oberhofab 2002 abgerissenAbgerissen
Ernst-Thälmann-HausOberhofab 2002 abgerissenAbgerissen
Kurhaus SellinSellin auf RügenErholungsheim, zuletzt Reisebüro der DDR2021 abgerissen, heute EigentumswohnungenAbgerissen
„Lug ins Land“Thüringer Waldin den 1950ern erworbenRuine, leergeräumtRuine
„Fritz Heckert“Gernrode im Harz1952–1954, 147 GästeRuine; Hotelprojekt angekündigtRuine
Acht Einträge, 14 Häuser: Der Binz-Komplex umfasst sieben Einzelhäuser. Stand: 10. August 2026.

Die Häuser im Einzelnen

„Herbert Warnke“, Klink an der Müritz – das größte Heim der DDR

Angefangen hatte es 1962 mit der Urlaubersiedlung „Völkerfreundschaft“. 1974 kam der große Neubau: acht Geschosse, drei Flügel, über 2.000 Betten, dazu eine überdachte Ladenpassage, eine 25-Meter-Schwimmhalle und später eine Bowlingbahn. Es war das größte Ferienheim des Landes und ganzjährig ausgebucht. Wer hier einen Platz bekam, hatte das große Los gezogen.

Heute: Das Haus läuft weiter als Müritz-Hotel, mit Seeblick und Wellnessbereich. Das größte Heim der DDR hat schlicht weitergemacht – neu ist vor allem das Schild am Eingang.

Binz auf Rügen – sieben Häuser an einem Strand

In Binz baute der FDGB sieben große Heime, darunter das „Arkona“, das „Rugard“ und das „Stubbenkammer“; die übrigen trugen Namen von Orten der sozialistischen Bruderländer. 1983 war der Komplex fertig: 4.607 Betten an einer einzigen Strandpromenade. Binz war damit so etwas wie die Hauptstadt des DDR-Urlaubs.

Heute: Aus dem Komplex wurde nach der Wende der IFA-Ferienpark, Hotelbetrieb an derselben Promenade. Auch hier gilt: Das Haus blieb, der Name ging.

„August Bebel“, Friedrichroda – überlebt nach einer Westpleite

1980 eröffnet, 1.500 Betten – das größte und modernste Heim, das der FDGB je gebaut hat, ein Bettenhochhaus über dem Kurort. Nach der Wende verkaufte die Treuhand an eine westdeutsche Hotelgesellschaft. 1999 war die pleite. Erst danach kam die Wendung: Eine Berliner Hotelgruppe übernahm, daraus entstanden die Ahorn-Hotels.

Heute: Seit 2010 firmiert das Haus als Ahorn Berghotel Friedrichroda und ist in Betrieb. Überlebt – aber erst nach einem Umweg durch eine Insolvenz.

Oberhof – zwei Häuser, beide verschwunden

Oberhof war der Winterurlaub der DDR: Skikurse, Rodelbahn, abends Tanz im Heim. Zwei große Häuser gehörten hier dem Feriendienst, das „Rennsteig“ und das Ernst-Thälmann-Haus. Beide wurden ab 2002 abgerissen. Wer dort als Kind Ski laufen gelernt hat, findet heute nicht einmal mehr das Gebäude.

Kurhaus Sellin – abgerissen 2021

Das Haus über der bekannten Seebrücke war zu DDR-Zeiten Erholungsheim, zuletzt betrieben über das Reisebüro der DDR. Es überstand die Wende und die neunziger Jahre und stand noch, als andere längst verschwunden waren. Abgerissen wurde es 2021; heute stehen dort Eigentumswohnungen.

Dieses Datum lohnt sich zu merken: Der Ausverkauf der Ferienheime ist keine Geschichte, die in den Neunzigern endete. Er lief noch vor wenigen Jahren.

„Lug ins Land“, Thüringer Wald – das stille Ende

In den fünfziger Jahren erwarb der FDGB hier mehrere Gebäude für den Feriendienst. Heute ist das Haus eine Ruine: leergeräumt, offen, ein Ziel für Fotografen, die verlassene Orte suchen. Es steht für den Weg, den viele kleinere Heime nahmen – kein Abriss, kein Hotel, einfach vergessen.

„Fritz Heckert“, Gernrode im Harz – der erste Bau, einer der letzten Verfälle

Dieses Haus ist ein Sonderfall: der erste Tourismus-Neubau der DDR überhaupt, errichtet von 1952 bis 1954 für 147 Gäste, nutzbar zu allen Jahreszeiten. Hier begann die Geschichte des sozialistischen Urlaubs – als Neubau, nicht als beschlagnahmtes Eigentum. Später verfiel es; die Stadt Quedlinburg versuchte jahrelang, das Gebäude überhaupt loszuwerden.

Heute: Nach wie vor eine Ruine, aber mit Aussicht auf ein Ende des Verfalls. Der Berliner Kurier berichtete am 8. August 2026, aus dem Haus solle ein Hotel mit rund 100 Zimmern entstehen; mit den Arbeiten werde noch in diesem Jahr begonnen. Wir führen das ausdrücklich als angekündigtes Vorhaben, nicht als vollzogene Tatsache – und tragen den Ausgang hier nach.

Die Folge zum Register

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Quellen

  • Wikipedia: FDGB-Feriendienst – Gründung 1947, Struktur, Größenordnungen
  • Wikipedia: Aktion Rose – Ablauf und Zahlen der Beschlagnahmungen 1953
  • Friedrich-Ebert-Stiftung: FDGB-Lexikon, Aktion Rose
  • Nordkurier – DDR enteignete 1953 Familien an der Ostseeküste
  • Tagesspiegel – Enteignungswelle an der DDR-Ostseeküste
  • geschichtsspuren.de – FDGB-Ferienheim „Herbert Warnke“ / Müritz-Hotel Klink
  • rottenplaces.de – FDGB-Erholungsheim „Fritz Heckert“ hat neuen Eigentümer
  • Berliner Kurier, 8. August 2026 – Hotelprojekt „Fritz Heckert“ mit rund 100 Zimmern

Wo sich ein Schicksal nicht mit Käufer, Zustand oder Datum belegen ließ, steht es nicht in diesem Register. Lücken sind uns lieber als Vermutungen.

Zum Weiterlesen

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Änderungsprotokoll

  • 10. August 2026 – Register angelegt mit 14 Häusern an 7 Orten. „Fritz Heckert“: Hotelprojekt laut Berliner Kurier ergänzt.
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