Titelbild der Senf-Folge: drei Senfgläser von Bautz’ner, Born und Altenburger auf rotem Grund mit der gelben Leiste „Zwei Rivalen – ein Besitzer“

Senf & Feinkost: Wem gehört der Ost-Senf heute?

Kaum ein Streit ist im Osten so alt wie der um den Senf: Sachsen schwört auf Bautz’ner, Thüringen auf Born. Die Pointe dieses Registers: Beide Rivalen – und dazu Esina – gehören seit Jahren demselben bayerischen Konzern. Wer aus Protest die Marke wechselt, zahlt auf dasselbe Konto. Hier steht, wem der Ost-Senf heute gehört, wo er hergestellt wird – und welche Marke als einzige ohne Konzern auskommt.

Stand: 13. August 2026 · 5 Marken geprüft, 3 Spuren offen. Das Register wächst mit euren Hinweisen – siehe Mitmachen.

Das Register

MarkeHerkunftGehört heuteSeitWird produziert in
Bautz’nerBautzen – Senfherstellung seit 1866 (Britze & Söhne); 1953 verstaatlicht zum VEB Essig- und Senffabrik BautzenDeveley, Unterhaching (Familie Durach)1992 – Kauf von der Treuhandanstalt, rund 10 Mio. Euro investiertBautzen/Kleinwelka – 17.000 t im Jahr
BornErfurt, 1820 – über 150 Jahre Familienbesitz, in den 1970er Jahren verstaatlicht, 1990 reprivatisiertDeveley – über Mautner Markhof (Wien, 2000)2002Erfurter Kreuz (seit 2016)
Esina (Senf)traditionsreiche Marke sächsischer HerkunftRechte nach 1990 an Born – damit ebenfalls Develeyunter dem Dach von Born
AltenburgerName existierte als DDR-Marke aus Altenburg; die heutige Firma ist eine Neuauflage von 1992Familienbetrieb Jungbeck – gegründet von Karl Jungbeck, heute führt Tochter Julia Jungbeck-Ucar1992Altenburg, Thüringen
MarderDöbeln, 1. Mai 1886 (August Marder)Marder GmbH, familiengeführt – einzige der fünf ohne Konzern2008 Erwerb durch Dieter Lange; seit 2016 Marder GmbHHartha, Sachsen
Perleberger Senf
JütroBrandenburg
Werder Ketchup
Fünf geprüfte Marken; die letzten drei Zeilen sind aus Kommentaren gemeldet und noch ungeprüft. Gedankenstrich bedeutet: nicht belegt. Stand: 13. August 2026.

Zwei Rivalen, ein Besitzer

Seit 2002 ist der ewige Ost-Senf-Streit ein interner Markenwettbewerb bei Develey: Bautz’ner kam 1992 von der Treuhandanstalt, Born 2002 über die Wiener Mautner-Markhof-Gruppe dazu, und die Esina-Rechte liegen seit den Neunzigern bei Born. Die Lager sind trotzdem geblieben – laut Volksstimme steht in Thüringen „bei drei von vier Bechern Born drauf“, während Bautz’ner im Osten insgesamt Marktführer ist: Die Volksstimme nannte 2015 rund 64 Prozent Marktanteil, Wikipedia führt 70 Prozent, bundesweit sind es 23 Prozent. 38 Millionen Becher Mittelscharf im Jahr.

Wichtig für die Einordnung: Verkauft heißt auch hier nicht zerstört. Develey hat in Bautzen investiert und produziert weiter vor Ort, Born zog 2016 in ein neues Werk am Erfurter Kreuz. Gemacht wird der Senf im Osten – entschieden wird in Unterhaching.

Altenburger – der Fall mit der Korrektur

In der Folge hieß es, Altenburger sei „gar keine Marke aus der DDR“. Das war zu absolut, und zwei Zuschauer haben uns binnen Stunden korrigiert: Der Name existierte sehr wohl als DDR-Marke – die Wikipedia-Liste der DDR-Markennamen führt Altenburger Senf, Ketchup und Spirituosen. Richtig ist: Die heutige Firma ist eine Neuauflage von 1992, gegründet vom Bayern Karl Jungbeck, der zuvor im Gewürz-Außendienst arbeitete und mit zwei bis drei Mitarbeitern startete. Heute führt seine Tochter Julia Jungbeck-Ucar den Familienbetrieb in Thüringen. Die Korrektur steht als Pin und Beschreibungszeile unter dem Video – und hier im Änderungsprotokoll.

Offen bleibt die schönste Anschlussfrage: Welcher VEB stellte den DDR-Altenburger her? Aus den Kommentaren kam zudem die – unbelegte – Erinnerung an eine Arbeitsteilung mild aus Altenburg, mittelscharf aus Erfurt, scharf mit Meerrettich aus Bautzen, und die Frage nach der Meerrettich-Marke Schremel. Wer etwas davon belegen kann, melde sich.

Marder – der Unabhängige

Gegründet am 1. Mai 1886 von August Marder in Döbeln. Die Firmenchronik führt durch die gesamte DDR-Zeit Familienmitglieder: Sohn Paul, ab 1972 Enkel Hans, ab 1985 Schwiegersohn Matthias Ernst. 1997 zog die Produktion nach Waldheim, 2008 erwarb Dieter Lange aus Mügeln den Betrieb, seit 2016 firmiert er als Marder GmbH mit Produktion in Hartha – familiengeführt, wenn auch heute von einer anderen Familie als der Gründerfamilie. Von den fünf geprüften Marken die einzige ohne Konzern im Rücken.

Wie viel Senf der Osten isst

Zu DDR-Zeiten lag der Verbrauch bei 1,4 Kilogramm Senf pro Kopf und Jahr, und der Osten isst bis heute deutlich mehr Senf als der Westen – beide Angaben nach der Volksstimme vom 14. Oktober 2015. Den Geschmacksstreit selbst schlichten wir nicht: Geschmack können wir nicht nachprüfen. Eigentum schon.

Die Folge zum Register

Erst mit dem Klick wird das Video von YouTube geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Quellen

  • Wikipedia: Bautz’ner und Born Senf & Feinkost
  • Develey – Unternehmenshistorie; Bautz’ner – Historie
  • Volksstimme, 14.10.2015 – „Der scharfe Osten“ (Marktanteile, Konsumzahlen, Esina-Zitat)
  • Stiftung Warentest, 25.06.2015 – Bekannte Senfmarken (Gründung Altenburger durch Karl Jungbeck)
  • North Data – Born Senf & Feinkost GmbH, Erfurt (Geschäftsführung Durach)
  • MDR Thüringen – 30 Jahre Altenburger Senf; OstBV – Julia Jungbeck-Ucar übernimmt
  • mardersenf.de – Firmenchronik; regionales.sachsen.de – Marder GmbH; Sächsische Zeitung und DNN zu Hartha
  • Wikipedia – Liste von Markennamen und Produkten in der DDR (Altenburger)

Was sich nicht belegen ließ, steht als Gedankenstrich oder offene Zeile im Register – nie als Tatsache.

Mitmachen

Drei Marken aus euren Kommentaren sind noch ungeprüft: Perleberger Senf, Jütro aus Brandenburg und Werder Ketchup. Wer weiß, wem sie heute gehören oder wo produziert wird – am besten mit Quelle? Und die offene Frage aus der Korrektur: Welcher VEB stellte den DDR-Altenburger her? Wir prüfen jede Meldung nach und tragen sie mit eurem Namen ein – auf Wunsch anonym.

Euren Hinweis eintragen

Wir prüfen jeden Hinweis, bevor er erscheint. Angaben, die wir nicht belegen können, kennzeichnen wir als Zuschauerangabe. Was ihr uns schickt, verwenden wir nur für das Register; Einzelheiten in der Datenschutzerklärung.

Änderungsprotokoll

  • 13. August 2026 – Register angelegt mit fünf geprüften Marken und drei offenen Zeilen aus den Kommentaren.
  • 13. August 2026 – Korrektur: Der Video-Claim, Altenburger sei „gar keine Marke aus der DDR“, war zu absolut. Der Name existierte als DDR-Marke (Wikipedia-Markenliste); die heutige Firma ist die Neuauflage von 1992 durch Karl Jungbeck. Gemeldet von zwei Zuschauern binnen Stunden – Korrektur-Pin und Beschreibungszeile unter dem Video gesetzt.
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